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Christian Friedrich Illgen

In Leipzig wurde im Jahr 1841 eine Abhandlung gedruckt, welche von Christian Friedrich Illgen (1785-1844) stammte. Illgen hatte in Leipzig Theologie studiert, habilitierte sich 1814 und war Mitbegründer der Historisch-Theologischen Gesellschaft. Unter seiner Leitung zählte diese nach 25 Jahren 104 aktive Mitglieder; 1830 wurde sie durch die sächsische Regierung als eine öffentliche Gesellschaft anerkannt. Die schriftlichen Ausarbeitungen von ihm und anderen Mitgliedern der Gesellschaft erschienen in der Zeitschrift für die historische Theologie, die von 1832 bis zu ihrer Einstellung 1875 45 Bände zählte.
Illgen, evangelischer Professor der Philosophie und Theologie, widmete sich der historischen Theologie und schrieb mehrere kurze Arbeiten zu unterschiedlichen Themen, so auch zu den Ereignissen in Damaskus. Unter dem Titel Die Judenverfolgung zu Damascus im Jahre 1840. Nebst Angabe der darüber erschienen Schriften bemühte er sich um eine differenzierte Sicht auf die Umstände, dabei kritisierte das Vorgehen der französischen Verantwortlichen und der Behörden scharf. Illgen eröffnete neue Denkansätze, indem er beispielsweise mögliche weitere Tatverdächtige nannte oder eine Theorie über die Möglichkeit absichtlich deponierter Beweisstücke aufstellte. Zudem machte er deutlich, dass die Knochen, die dem Diener zugeordnet wurden, in Wahrheit Tierknochen waren. Die Folter, die Plünderungen und Bedrohungen der jüdischen Gemeinde schilderte er sehr ausführlich und thematisierte auch die zeitgleich entstandene Ritualmordanklage auf Rhodos. Illgen griff zudem den Bericht des Kapuzinermönches Pater Franziskus von Sardinien auf, in welchem die Anschuldigungen gegen die jüdische Bevölkerung indirekt bestätigt wurden und benannte diese Falschmeldung eindeutig als solche. In einer knappen Presseschau skizzierte er die Stimmungen in französischen, italienischen, deutschen, englischen Zeitungen.
Illgens empirische Vorgehensweise brachte es mit sich, dass er die von ihm herangezogenen Quellen offenlegte und diese im Text und ausführlicher noch in den Literaturverweisen im Nachgang zum Hauptartikel kommentierte. Hier lobt er die Haltung des protestantischen Missionars und ehemaligen Rabbiners George Wildon/Wildau Pieritz (1808-1884) und spricht eine Empfehlung für dessen Bericht aus, den er für den wichtigsten und glaubwürdigsten Report in dieser Sache hält. Ebenso erwähnt er eine Rede des Missionars Franz Delitzsch (1813-1890), eines deutschen evangelisch-lutherischen Theologen und Talmud-Gelehrten, welcher sich für die Verständigung zwischen jüdischen und christlichen Menschen einsetzte. Durch diese ausführliche Quellen- und Literaturkritik entstand der Eindruck einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Geschehnissen und deren Rezeption. Illgens Ausführungen sind Zeugnisse eines frühen Versuches, gegen die ‚Fake News‘ der damaligen Zeit vorzugehen und diese im Gegenzug möglichst faktenbasiert zu berichtigen.

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