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Achille Laurent

Im Jahr 1846 wurde in Paris ein mehrbändiges Buch herausgegeben, dessen zweiter Band die französische Übersetzung verschiedener Dokumente zur Damaskusaffäre enthielt. Veröffentlicht wurde es von einem Autor, dessen Name mit Achille Laurent angegeben wird und, der Titelseite zufolge, Mitglied der Morgenländischen Gesellschaft (Société Orientale) sein soll. Möglicherweise handelt es sich um ein Pseudonym; nähere Informationen zum Autor und seinem weiteren Wirken konnten bisher nicht ermittelt werden.1 Es wurde sogar die Vermutung angestellt, dass sich hinter Laurent in Wirklichkeit Ratti-Menton (unterstützt von seinen Mitstreitern) verbergen könnte, da der Konsul sich von 1841 bis 1846 in Frankreich aufhielt und der zweite Band zu großen Teilen aus eben jenem Material bestand, das durch Ratti-Menton und andere vor deren Abreise aus Syrien gesammelt und zusammengefasst worden war.2
Der mehr als 400 Seiten umfassende Band erhob den Anspruch, das vollständige Verfahren gegen die jüdischen Angeklagten in Damaskus zu dokumentieren, welches nach dem Verschwinden des Paters und seines Dieners eingeleitet wurde. Hier finden sich unter anderem die Verhörprotokolle mit den Aussagen, die in den Befragungen getätigt wurden, welche nach dem Verschwinden der beiden Männer durch die ortsansässigen Behörden sowie das französische Konsulat veranlasst worden waren. Ebenso wurden Übersetzungen und Erläuterungen zum Verständnis der arabischen Zeitungen mit ausführlichen Berichten über die Vorkommnisse abgedruckt. Der Band veröffentlicht auch mehrere Fragmente und Rechtsdokumente sowie offizielle und private Korrespondenzen, die im Zusammenhang mit dem Verfahren entstanden waren. Zudem wurde die finanzielle Situation der angeklagten Juden von Damaskus veröffentlicht, es wurden darüber hinaus verschiedene, die Juden betreffende Unterstellungen gemacht. So entstand auch ein Kapitel, in dem sich der Autor mit sogenannter ‚jüdischer Hygiene‘ beschäftigen will. Zudem wurden die Untersuchungsergebnisse der aufgefundenen Knochenfragmente präsentiert, woran insgesamt elf Ärzte beteiligt waren: vier aus Europa angereiste Mediziner und sieben Heilkundige lokaler Herkunft, darunter sechs Muslime und ein Christ.
Neben diesen Dokumenten, offiziellen Erklärungen sowie der diplomatischen Korrespondenzen im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Doppelmord wurde eine große Sammlung von Aussagen und Übersetzungen aus dem Talmud zusammengestellt. Obwohl diese durch einen ausgebildeten Rabbiner als Übersetzer vorgenommen und von Vertretern europäischer Staaten beglaubigt wurden, handelt es sich hierbei um letztlich propagandistische Schriften: Sie wurden allein zu dem Zweck zusammengestellt, die These zu untermauern, dass der rituelle Mord im Judentum vorgeschrieben oder zumindest traditionell von einigen wenigen Eingeweihten oder innerhalb jüdischer Sekten praktiziert werde.

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