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Alfred Rosenberg: Der Jude, das Judentum und die Verjudung der christlichen Völker

Die Untersuchung propagandistischer Verbreitungen der jüdischen Ritualmordlegende zur Zeit des Nationalsozialismus führt mitunter zu der 1893 von Henri Roger Gougenot des Mousseaux in Frankreich publizierten und 1921 von Alfred Rosenberg ins Deutsche übersetzten Hetzschrift Le Juif, le judaïsme et la judaïsation des peuples chrétiens. Ebenso wie Gougenot entwickelte sich auch der 1893 im damals russländischen Estland geborene Rosenberg im Laufe seines Lebens zu einem überzeugten Antisemiten. Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Moskau 1918 und dem Umzug nach München 1919, schloss er sich der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), also der Vorläuferin der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), an. Seine politischen Überzeugungen waren so stark, dass er 1923 die Stelle des Hauptschriftleiters des Völkischen Beobachters übernahm und noch im gleichen Jahr am Hitler-Ludendorff-Putsch teilnahm. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er die deutsche Übersetzung der judenfeindlichen Schrift Gougenots unter dem Titel Der Jude, das Judentum und die Verjudung der christlichen Völker veröffentlicht.1
Bemerkenswert ist an dieser Stelle insbesondere das Vorwort, welches Rosenberg dem antisemitischen Werk voran stellte, da er sich in diesem nicht nur von Gougenots starker christlicher Prägung, sondern auch von sämtlichen positiven Zuschreibungen, die der Autor Juden zugesteht, distanziert. Der hinzugefügte Verweis darauf, dass der Urheber des pseudowissenschaftlichen Pamphlets den Intellekt der Juden überschätzt haben soll, deutet auf die Radikalität hin, welche die antiemitisch Weltanschauung des späteren Chefideologe Hitlers bereits in den Anfängen der 1920er Jahre prägte.
In der Hassschrift selbst steht der Mord von Juden an Christen nach Ansicht Gougenots für die Ruchlosigkeit des Judentums auf der einen und die Barmherzigkeit der Christen auf der anderen Seite. Zudem ließe sich anhand der Geschichte nachweisen, dass es seit jeher keinerlei Veränderungen im Verhalten von Juden gegeben habe und sie auch in ihren Werten und Bräuchen stets gleich geblieben seien. Die Forderung nach Blut, im Besonderen das von Christen, sei ferner schon immer eine Forderung innerhalb des jüdischen Glaubens, insbesondere der Rabbiner, gewesen. Die aus der Sehnsucht nach Blut resultierenden Morde seien also für das Judentum eine Art Zwangsläufigkeit. In diesem Zusammenhang stellt Gougenot eine Verbindung zwischen tierischen Opferungen und dem vermeintlichen Opfern von Christen her. Der Umstand, dass Juden derartige Vorgänge vehement von sich wiesen, sei in diesem Zusammenhang konsequent zu verurteilen und außerdem auch Hauptursache dafür, dass das Judentum in schlechtem Licht stünde. Nach Ansicht des Autors sei das angebliche Verhalten von Juden jedoch auch unabhängig der entsprechenden Leugnungen an derart vielen Stellen problematisch, dass es nicht nur negativen Einfluss auf die restliche Gesellschaft zur Folge habe, sondern ihr rundum schlechter Ruf auch einzig und allein die natürliche Konsequenz ihrer eigenen Taten darstelle.
Dass auch Rosenberg vom vermeintlich schlechten Einfluss des Judentums auf die Gesellschaft überzeugt war, ist hinreichend bekannt und spiegelt sich in der steilen Karriere des 1928 zum Gründer und Reichsleiter des Kampfbunds für deutsche Kultur avancierten Nationalsozialisten wider. In Anlehnung an Houston Stewart Chamberlains rassistische und antisemitische Schrift Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts veröffentlichte er 1930 sein persönliches Hauptwerk Der Mythos des 20. Jahrhunderts. Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit, aus welchem unter anderem die folgende Aussage stammt: „Seele aber bedeutet Rasse von innen gesehen. Und umgekehrt ist Rasse die Außenseite der Seele.“2 Auch Rosenbergs politische Karriere lief erfolgreich weiter, sodass er im April 1933 nicht nur zum Leiter des Außenpolitischen Amts der NSDAP, sondern auch Reichsleiter ernannt wurde. Damit war er Hitler fortan direkt unterstellt. Ab dem 24. Januar 1934 arbeitete er dann als Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung der NSDAP, im Zuge dessen die Dienststelle Rosenberg eingerichtet wurde und er somit fortan ein bedeutendes Parteiamt inne hatte. Am 17. Juli 1940 bekam Rosenberg dann den Gründungsauftrag zu einer von der NSDAP finanzierten Universität mit dem Namen Hohe Schule. Es folgte die Organisation des Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), der sich insbesondere mit dem Raub jüdischer Besitztümer auseinander setzte sowie die Gründung einer Außenstelle der Hohen Schule Frankfurt/Main- Institut zur Erforschung der Judenfrage 1941. Noch im selben Jahr wurde er schließlich durch Hitler-Erlaß Reichsminister für die besetzten Ostgebiete. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges kam seine zentrale Rolle im Machtgefüge der Nationalsozialisten schließlich zu einem abrupten Ende. Am 19. August 1945 wurde er in der Marinekriegsschule Freiburg-Mürwik verhaftet und im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt. Alfred Rosenberg wurde am 1. Oktober 1946 zum Tode verurteilt und 15 Tage später in Nürnberg durch den Strang hingerichtet.3

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