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Will-Erich Peuckert

Will-Erich Peuckert soll hier aus der Reihe von Autoren im Themenfeld Nationalsozialismus hervorgehoben werden. Im Gegensatz zu den anderen Autoren war Peuckert kein Nationalsozialist und auch kein Antisemit. Im Gegenteil setzte sich Peuckert mit dem Aberglauben um angeblich jüdische Ritualmorde kritisch auseinander. Der spätere Lehrstuhlinhaber für Volkskunde an der Georg-August-Universität in Göttingen wurde 1895 in Niederschlesien geboren. Er studierte unter anderem deutsche Geschichte und Volkskunde an der Universität in Breslau und war nach seiner Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent tätig. Peuckert galt lange unbestritten als klarer Gegner des Nationalsozialismus, allerdings wird dies von der neueren Forschung, wie unter anderem durch Niem und Bönisch-Brednich zumindest eingeschränkt.1 Ihm wurde unter anderem 1935 seine Lehrbefugnis von den Nationalsozialisten entzogen, da er von diesen als „politisch unzuverlässig“ eingestuft wurde.2 Ein wissenschaftlicher Konkurrent – und Nationalsozialist – namens Walther Steller wies die NSDAP auf Peuckert hin. Seine Texte seien marxistisch geprägt und Peuckert als Person nicht nur in politischer, sondern auch wissenschaftlicher und menschlicher Hinsicht für das NS-Regime untragbar.3 Ein weiterer Grund für die Kritik an seiner Person steht im Zusammenhang mit unserem Hauptthema und soll deshalb näher beleuchtet werden.
Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HWDA) Band 7 schrieb Peuckert 1935 einen Artikel zu dem Thema Ritualmord.4 Dabei setzte er den Fokus ausdrücklich auf angebliche jüdische Ritualmorde, da er sich bereits an anderer Stelle, im 3. Band des HWDA, mit dem gleichen Vorwurf gegenüber Freimaurern auseinandergesetzt hatte.5 Inhaltlich erklärte er dort auch, woher der Aberglaube, Juden begingen Ritualmorde, herkommt und nennt Widersprüche zwischen den Aussagen der wissenschaftlich anmutenden Ausarbeitungen. Peuckert zählt hier alle ihm bekannten Ritualmordvorwürfe chronologisch auf. Er stellt heraus, dass die wissenschaftlichen Veröffentlichungen der damaligen Zeit nicht kritisch genug seien. Allerdings schloss er nicht aus, dass man bei einer gründlichen und wirklich wissenschaftlichen Recherche gegebenenfalls ein paar der Fälle bestätigen könne. Auf Basis der bisherigen pseudowissenschaftlichen Forschung könnte keiner der Fälle als erwiesen angesehen werde. Er zeigte deutlich auf, wie verwirrend und widersprüchlich viele Behauptungen und Begründungen zu den Beschuldigungen waren.6 Vor allem die Aufzählung der Zwecke, für welche die Jüdinnen und Juden das Blut angeblich bräuchten, formulierte Peuckert stark ironisch. Er listete diese unterschiedlichen abwegigen Beweggründe nacheinander auf, damit deutlich wird, dass hier hauptsächlich spekuliert wurde.
Der Volkskundler Peuckert zeigt mit diesem Beitrag eine nonkonforme Haltung gegen die antisemitische Hetze in den pseudowissenschaftlichen Pamphleten der NS-Ideologen. Es ist kein riesengroßer Protest, aber er lässt die Behauptungen und den Aberglauben nicht einfach unkommentiert.

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