Navigation: Polná​ > Leopold Hilsner > Darstellung in den Prozessen

Darstellung in den Prozessen

Leopold Hilsner musste zwei Prozesse über sich ergehen lassen; er wurde beide Male zum Tode verurteilt, im zweiten Verfahren sogar wegen Doppelmordes. Natürlich gab es verschiedene Sichtweisen auf die Fälle. Auf der einen Seite standen diejenigen, die an ihn glaubten bzw. an den schleierhaften Beweisen zweifelten, die zum Urteil führten; auf der anderen Seite jene, die vom „Ritualmörder Leopold Hilsner“ überzeugt waren und denen jeder Zweifel an seiner Schuld unverständlich war. Medial standen Zeitungen als Übermittler der Geschehnisse während der Prozesse im Vordergrund. Mittels Zeichnungen wurde versucht, Eindrücke aus den Prozessen an die Bevölkerung weiterzugeben. Neben neutralen Gerichts-Skizzen, gab es auch Zeichnungen, die auf bestimmte Reaktionen abzielten. So gab es den Leopold Hilsner, der nach dem ersten Prozess, traurig und verzweifelt in seiner Gefängniszelle dargestellt wird, aber auch die Figur Hilsner, die nach dem zweiten Prozess mit einem breiten Grinsen abgeführt wird. Gerade antisemitische Zeitungen, wie das Satiremagazin Kikeriki, machten sich über den Fall her und rückten Hilsner sowie die österreichische Justiz in ein schlechtes Licht.1 Der in Wien erscheinende Kikeriki war seiner Zeit sehr erfolgreich und weit verbreitet.2 Zeitungen, die neutral über die Geschehnisse vor Gericht berichteten, wurden nicht selten als sogenannte Judenpresse angegriffen, weswegen sich die Zeitungen womöglich vermehrt zurückhielten, um nicht als solche abgestempelt zu werden. Folglich blieb wenig Gutes für Hilsner und seine Mitstreiter*innen, wie den späteren tschechoslowakischen Staatspräsidenten Tomáš Masaryk, sodass sie sich ebenfalls den Angriffen der antisemitischen Presse aussetzten.

Exponate zum Thema