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Sein Leben nach der Haft

Am 24. März 1918 wurde Leopold Hilsner von Kaiser Karl I. begnadigt. Grund dafür war jedoch nicht die Überzeugung von einer Unschuld Hilsners, für den sich während seiner Haft etliche Personen eingesetzt hatten, sondern die Geburt dessen vierten Sohnes, Carl Ludwig, weswegen der Kaiser Gnade walten ließ und einige Gefangene, die unauffällig geblieben waren, begnadigte.1 Wirklich frei war Hilsner damit allerdings noch nicht. Er wurde nach Wien gebracht und unter Polizeiarrest gestellt, wo bei einer Musterung seine Kriegstauglichkeit geprüft werden sollte. Wenig später wurde er jedoch als untauglich eingestuft und war von nun an frei.2 Seinen früheren Lebensstil, an vielen Orten zu sein, behielt er bei. So hielt er sich meist in Wien, Prag und in der Nähe seines Heimatortes Velké Meziříčí auf. Nach Polná selbst ist er jedoch nie zurückgekehrt. Eine Hochzeitseinladung für Sonntag, den 22. Juni 1919 in Wiens ältester Synagoge, dem Seitenstettentempel, lässt auf eine Vermählung Leopold Hilsners mit Therese Rosenfeld die ebenfalls aus Velké Meziříčí, Hilsners Heimatort, stammte. Das meldete auch das Neue Wiener Journal am 24. Juni 1919.3 Aus den Berichten, die zu seinem Tod veröffentlicht wurden und in denen selbstverständlich auch seine Geschichte erzählt wurde, geht allerdings nicht eindeutig hervor, ob die Hochzeit wirklich stattgefunden hat.4 Die Jüdische Korrespondenz dementierte eine Hochzeit, die Einladungen seien zwar versendet worden, jedoch sei die Hochzeit nicht zustande gekommen.5 Laut Jan Prchal habe Hilsner diese Hochzeit erfunden, um von Masaryk Geld zu bekommen.
Bereits in dem Jahr seiner Begnadigung 1918 spielte Hilsner in einem kurzen Stummfilm über seine Geschichte sich selbst. Noch vor Veröffentlichung wurde der Film konfisziert und durfte erst zwei Jahre später nach einigen Änderungen und ausschließlich im jüdischen Teil Wiens gezeigt werden. Der Film wurde als „Weltschlager“ in der Neuen Kino Rundschau beworben.
Neben Spenden, die für ihn nach seiner Freilassung gesammelt wurden, bestanden seine Einnahmen aus den Erlösen des Films. Wie das Neue Wiener Journal vom 27. Mai 1921 berichtete, verklagte Hilsner die Filmvertriebsgesellschaft Enos auf 100.000 Kronen. Letztendlich einigte man sich auf einen Vergleich und Hilsner wurden 5000 Kronen zugesprochen.6
Um die Person Leopold Hilsner, zum Teil von ihm selbst verschuldet, wurde es nach seiner Freilassung nicht ruhig, weswegen er wohl seinen Namen 1922 in „Heller“ ändern ließ. Nach 1922 ist nicht mehr viel von Leopold Hilsner/Heller zu lesen. Lediglich ein paar Zeitungsanzeigen sind bis heute erhalten, die in seinem Namen nach Geld oder einer Möglichkeit zu arbeiten fragten. Er hielt sich überwiegend in Wien auf, zog jedoch häufig innerhalb von Wien um.7 Seine letzte bekannte Wohnadresse war in der Oberen Donaustraße 4 in Wien. Dort wurde ihm zu Gedenken eine Tafel aufgehängt.
Am 8. Januar 1928 starb Leopold Hilsner im Rothschildspital in Wien an Krebs. Beerdigt wurde er auf dem Zentralfriedhof in Wien. Auf seinem Grabstein wird von seiner Unschuld geschrieben, offiziell rehabilitiert wurde er jedoch nicht. Sein Tod nahm auch das antisemitische Satiremagazin Kikeriki zum Anlass, eine alternative Grabschrift zu veröffentlichen. Schon während der Prozesse 1899/1900 dokumentierte Kikeriki alles über Hilsner mit seinem antisemitischen Humor.

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