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Leben in Polná

Leopold Hilsner wurde am 10. Juli 1876 in der tschechischen Kleinstadt Velké Meziříčí geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters lebte er mit seinem Bruder und einer Tante bei seiner Mutter. Die Familie war arm und auf die Hilfe der jüdischen Gemeinde in Polná angewiesen. Diese stellte den Hilsners die Kellerräume der deutsch-jüdischen Schule zur Verfügung. In späteren Hausdurchsuchungsprotokollen wurden die Räume eher als Höhle und weniger als menschliche Behausung beschrieben.
Hilsners schulische Leistungen waren sehr begrenzt. Nach der Schule begann er eine Schusterlehre, die er aufgrund seiner Faulheit und seiner umhertreibenden Art nicht abschließen konnte. Ein zweiter Versuch war ebenfalls nicht erfolgreich. Fortan arbeitete er bei verschiedenen Meistern, nirgendwo auf Dauer und war auf Unterstützung angewiesen. Er galt als arbeitsscheu und ging wie in seinen Kreisen üblich, auf Wanderschaft. Neben den kurzen, wechselnden Arbeiten war er auch aufs Betteln angewiesen.
In Polná hielt sich Hilsner häufig in dem naheliegenden Breziná-Wald auf, der für die Bewohner*innen Polnás eine viel genutzte Gelegenheit für Spaziergänge und Ausflüge bot. Auch am Vormittag des 29. März 1899, jenem Tag, als Anezka Hrúzová ermordet wurde, will ihn ein Zeuge gesehen haben. Obwohl dessen Aussage äußerst vage und fragwürdig war, führte sie doch dazu, dass Hilsner zum Hauptverdächtigen in diesem angeblichen jüdischen Ritualmordfall wurde.1

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