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Leopold Hilsner

Leopold Hilsner: Ein einfacher Jude, der zur falschen Zeit am falschen Ort war und dadurch Opfer einer der größten Ritualmordlegenden der Neuzeit wurde.
Hilsner, geboren im böhmischen Velké Meziříčí, war 51 Jahre als er am 8. Januar 1928 in Wien starb. 19 Jahre seines Lebens hatte er als Beschuldigter vor Gericht und im Gefängnis verbracht. Erst eine glückliche Begnadigung schenkte ihm seine letzten zehn Jahre in Freiheit. Seine Unschuld wurde ihm jedoch bis heute nicht zugestanden. Der aufkommende Antisemitismus Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa und die Stigmatisierung der jüdischen Bevölkerung taten ihr übriges. Personen wie Tomas G. Masaryk, die sich für Hilsner einsetzten und von seiner Unschuld überzeugt waren, machten sich selbst zur Zielscheibe und wurden als „Judenfreund“ beschimpft. Hilsners Leben begann in einer kleinen böhmischen Stadt mit dem Namen Polná. Polná zählte zu jener Zeit um die 5000 Einwohner*innen, von denen rund 200 jüdischen Glaubens waren, darunter Hilsner und seine Familie. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, verbesserte sich seine Situation nach der Schule nicht. Er war faul und schaffte es nicht, seine Schusterlehre zu beenden. Er liebte es, sich herumzutreiben und hielt sich mit kleineren Arbeiten und mit Betteln auf seinen Reisen durch die Gegend finanziell über Wasser. Nicht nur, dass er Jude war, sondern auch noch faul und offenbar nicht an einem richtigen Beruf interessiert, brachte ihn in den Augen vieler Zeitgenossen an den Rand der Gesellschaft. Ein gefundenes Opfer für eine Verschwörung. Für die antisemitisch eingestellte Gesellschaft sowieso, aber nicht einmal für die jüdische Gemeinschaft war er ein unverzichtbares Mitglied. So wurde Leopold Hilsners Schicksal besiegelt, was ihn fast sein halbes Leben im Gefängnis verbringen ließ.
Auch nach seiner Begnadigung 1918 konnte er nicht mehr richtig Fuß fassen. Anfänglich bekam er zumindest finanzielle Unterstützung von Gleichgesinnten und von Leuten, die von Hilsners unrechtmäßiger Verurteilung überzeugt waren, sowie aus Einnahmen von einem Film, in dem er sich selbst gespielt hatte. Körperlich gezeichnet von seinem langen Gefängnisaufenthalt konnte Hilsner keiner körperlichen Arbeit mehr nachgehen und ging gelegentlich Hausieren. Bis zu seinem Tod 1928 blieb er stets auf die Hilfe Anderer angewiesen.

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