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Die Hilsner-Affäre musikalisch inszeniert

Besonders interessant im Zusammenhang mit der Blutbeschuldigung von Polná ist die Verarbeitung des Vorwurfs in Liedern. Diese Gassenhauer wurden oft auf Flugblättern verteilt und überall gesungen.1 In diesen Liedern wurde gegen Jüdinnen und Juden gehetzt und Hilsner als Monster dargestellt. Auf dem gesamten Gebiet der späteren Tschechischen Republik wurden solche Lieder gesungen. So hieß es bei dem tschechischen Faschisten Jan Rys z.B.: „Kaufen Sie nicht von den Juden. Zucker, Kaffee, Mehl. Sie haben unsere Agnes getötet, blauäugiges Mädchen …!“2. Aber auch das sogenannte Rummelplatzlied beschäftigte sich explizit mit der Mordtat: „Es schlug der Hilsner, grosser Gott! Ein schönes Christenmädchen tot, [d]ie ohne Ahnung aus dem Näh’n [n]ach Hause wollt zur Mutter gehn, zum Heimatsdorf Klein-Wieznitz.“3. Durch populäre Texte, wie diese, waren Jüdinnen und Juden im Alltag der Erniedrigung ausgesetzt und große Teile der jüdischen Bevölkerung verließen Polná in Richtung der nächstgrößeren Stadt Jihlava oder sogar nach Wien, um Anonymität zu gewinnen.4 Selbst heute sind manche diese Lieder noch überliefert. Im Jahre 1999 inszenierte die Dokumentation Případ Leopolda Hilsnera. Tajuplná vražda [Der Fall Leopold Hilsner. Ein geheimnisvoller Mord] verschiedene Lieder, die seinerzeit auf Flugblättern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden waren. Die nachgestellten Filmsequenzen sollen Musiker*innen um das Jahr 1900 zeigen. Ob dies nun der Wahrheit entspricht, ist nicht mehr nachvollziehbar, jedoch gibt die Dokumentation des tschechischen Fernsehens die Möglichkeit, die Lieder zu hören. Auch bei dem hier ausgewählten Lied wird deutlich, dass die Strophen antisemitisch sind und der Hass so geschürt wurde. Dies steht im deutlichen Gegensatz zu der sehr freundlich klingenden Musik.
Lieder stellten neben den gedruckten Quellen offenbar ein weiteres, äußerst einprägsames Medium dar, welches die Menschen im Fall Hilsner geprägt hat.

Exponate zum Thema

Das tschechische Fernsehen griff verschiedene Lieder in einer Dokumentation über den Fall auf und inszenierte diese Musikstücke für den Zuschauer*innen. Dieses stammt von einem Flugblatt aus der Zeit der Hilsner Affäre: