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Mediale Verbreitung der Hilsner-Affäre

Der Ritualmordvorwurf von Polná wurde schnell zu einem Medienereignis. Neben Zeitungsartikeln, die bereits Tage nach dem Fund der Leiche über die ersten Vermutungen berichteten, entstanden in den Monaten darauf u.a. viele verschiedene Motive für Postkarten – seien es Landschaftsaufnahmen, der Leichenfundort, die wichtigsten Personen oder Zeichnungen über die Prozesse. Die Ansichtskarten fanden schnell ihren Weg über die Grenzen von Polná. Im Laufe der Prozessentwicklungen entstanden für Vermarktung noch gefälschte Biographien oder Gipsfiguren, die verkauft wurden. Ein Pantoskop zeigte die angebliche Tat.1 Die Verbreitung fand auch durch Lieder statt. Diese wurden teilweise auf Flugblättern verteilt und entwickelten sich zu Gassenhauern.2 Aber nicht nur antisemitische Medien wurden so verbreitet. Politiker und Wissenschaftler interessierten sich für den Fall und publizierten ihre Werke, wie z.B. Tomáš Masaryk oder Arthur Nussbaum.3 Die Veröffentlichungen erschienen also nicht nur um die Zeit der Prozesse, sondern auch in den folgenden Jahren. Noch 1934 war die Hilsner-Affäre von Interesse. Sowohl Nationalsozialisten und tschechische Faschisten, als auch die Gegenseite, wie z.B. Exilanten, veröffentlichten Werke bzw. Berichte über dieses Thema. Selbst im 21. Jahrhundert bietet der besondere Prozess Material zur Verarbeitung. Erst vor einigen Jahren erschien im tschechischen Fernsehen der Zweiteiler Mord in Polná. Auch in Polná selbst wird mit einer Dauerausstellung dem Fall gedacht und zum 100. Jahrestag der Tat wurden viele Berichte zu dem Thema vom Historiker Klub der Stadt veröffentlicht.4 Noch heute gibt es das symbolische Grab für Anežka am Fundort der Leiche, welches von regelmäßig auch besonders von antisemitischen Gruppierungen besucht wird. Diese verteilen immer wieder Flugblätter, die die Verschwörungstheorie um den angeblichen jüdischen Ritualmordaufrechterhalten wollen. So bietet der Fall eine Möglichkeit, die Entwicklung der Verbreitung des Mythos bis heute nachzuvollziehen.