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Postkarten als DAS Medium zur Verbreitung

„Zunächst sende ich dir diese zwei, später wieder neuere, weil kaum sind sie bei den Händlern, sind sie wieder ausverkauft…“1. Postkarten zu verschicken und zu sammeln kam am Ende des 19. Jahrhunderts in Mode. Zum Zeitpunkt der „Hilsner-Affäre“, 1899, war es das am weitesten verbreitete Massenmedium. Nachrichten wurden zunächst unter dem Bild verfasst, erst ab 1905 durften Grüße auch auf der Rückseite verfasst werden. Die Ansichtskarten über Polná wurden zu tausenden gedruckt, verkauft und über den Postweg verschickt.2
Bereits nach wenigen Tagen fand Antonín Dvořák, Geschäftsmann und einflussreicher Bürger Polnás, großes Interesse an dem Fall. Er inszenierte am Tatort den Moment, als Anežka gefunden wurde. Im Nachhinein bearbeitete der Schulleiter der Jungenschule in Polná, Břetislav Rérych, das Bild und fügte die Leiche hinzu. Ebenso retuschierte er drei Personen, damit die Ärzte zu sehen sind, die später den Obduktionsbericht anfertigten.3 Neben den Postkarten, die in Eigeninitiative von Dvořák in Auftrag gegeben wurden und von der Firma „Dvořák und Ruller“ in Německý Brod gedruckt wurden, produzierte auch Gustav Toužil Postkarten von Polná, deren Motive er selbst fotografierte. Der Journalist entwickelte ein großes Interesse an dem Fall und veröffentlichte auch Werke mit seinen Fotografien. Diese Fotos und Zeichnungen wurden für weitere Postkarten genutzt. Auf letzteren sind oftmals Nachrichten zu finden, die neben Informationen zu dem Fall auch schlichtweg Grüße und Wünsche beinhalten.4
Nach dem ersten Urteil gegen Hilsner tauchten im gesamten tschechischen Gebiet kleine gezeichnete Galgen auf unterschiedlichen Medien auf. Dieses Symbol war erstmalig auf einem Plakat in Kolín zu sehen, sowie auf einer später konfiszierten Postkarte, auf welcher ein Rätsel abgedruckt war. In Polná selbst wurde eine aufgehängte Puppe vor dem Haus eines Juden platziert, mit der Nachricht, dass es die Rache für die Tat sei.5
Der Mythos vom “Ritualmord“ von Polná verbreitete sich rasch, auch über die Stadtgrenzen und Grenzen Böhmens hinaus. Die als sensationell empfundenen Motive trugen dazu bei, dass sich die verschiedenen Bilder und Intentionen im Gedächtnis der Menschen verankerten und bis heute das Ausmaß der Reichweite verdeutlichen.

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