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Religiöse Symbolik rund um die Darstellung von Anežka

Im ersten Exponat ist ein schlichtes weißes Kreuz sichtbar, welches das Hauptsymbol der Christen ist. Es erinnert zum einen an den Kreuztod Jesus, steht aber auch zugleich für die Hoffnung, die Erlösung und die Auferstehung.1
Auf der zweiten Postkarte (Exponat 2) befindet sich das Kreuz im Himmel und um die Mitte herum ein dorniger Rosenkranz. Dieser Rosenkranz begegnet uns schon in der Postkarte mit Anežkas Antlitz. Anežka soll auch einen Rosenkranz besessen haben, der aber nicht bei ihrem Fundort auffindbar war.2
Der Rosenkranz wird im katholischen Glauben für das meditative Gebet verwendet und hat vier Bedeutungen. Die freudenreiche Bedeutung ist die Geburt Christi, die lichtreiche Jesus öffentliches Wirken, die schmerzhafte für die Passion Christi und die glorreiche für unter anderem die Auferstehung. Im Zusammenhang mit dem Tod wird die dornige Krone vor allem mit der Passion Christi verbunden, dem Leiden Jesus.3
In den beiden malerischen Exponaten ist der Fund- und Tatort dargestellt. Das Andenken kann dadurch gewahrt werden, dass der Ort begehbar ist. Die Menschen konnten und können die Landschaft in Augenschein nehmen. Der Ort ist real, auch wenn die Tat im Kontext eines jüdischen Ritualmordes fiktiv ist.4 Dennoch wird Anežka zur Märtyrerin gemacht, die als unschuldige Gläubige des Christentums ermordet wurde. Im 20. Jahrhundert entfernt sich die Bedeutung des Martyriums mehr und mehr vom religiösen Verständnis, dass der- oder diejenige als Zeuge für den Glauben getötet wurde. Stattdessen rücken das Leiden und die Qualen in den Vordergrund. Die Märtyrer sind Zeugen und damit ein Vermächtnis für die Nachwelt. Er oder sie lebt über seinen irdischen Tod hinaus fort.5
An der großen Fichte befindet sich ein Madonnenbild, ein Kruzifix und die hölzerne Tafel mit der Aufschrift „Hier wurde getötet Anežka Hrůzová 29.03.1899“. Das Madonnenbild zeigt die Muttergottes sitzend mit dem Jesuskind auf dem Schoß. Sie schaut den Betrachter an, während das Jesuskind mit der rechten Hand den Segensgruß vollzieht. Die Verehrung Marias ist ein Kennzeichen der katholischen Frömmigkeit. In einem kleinem Format dient die Marien-Ikone fürs private Gebet und Andacht.6
Am Grab von Anežka finden sich ebenfalls religiöse Symbole wieder. Das Kruzifix im oberen Teil ist eine Halbplastik. Das Kreuz ist in den Stein als Umriss eingemeißelt und Jesus ist bis zum oberen Brustkorb als Halbplastik ausgearbeitet. Hierbei löst sich die Skulptur nicht vollständig vom Hintergrund, in dem Fall dem Grabstein. Jesus trägt die Dornenkrone und sein Kopf ist nach rechts gedreht, wie in dem kleinen Kruzifix am Baum. Die Halbplastik schließt ab mit einem Banner mit der Inschrift „I.N.R.I.“. Dies ist die Abkürzung für „Iesus Nazarenus Rex Indaerum“. Übersetzt bedeutet es „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Dies soll an dem Kreuz gestanden haben, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Diese Inschrift findet sich auf zahlreichen Kreuzigungsszenen wieder.7
Am Fuße des Grabsteins ist eine weitere Plastik ausgearbeitet. Dem Betrachter strecken sich zwei betende Hände entgegen. Ebenfalls eine wiederkehrende Darstellung, die durch Albrecht Dürers Zeichnung bekannt und beliebt wurde. Er zeichnete die Hände als Vorstudie für die Hände eines Apostels in seinem Auftrag für den Heller-Altar in Frankfurt am Main. Sie steht für Fürbitte zum Beispiel für Verstorbene. Die Fürbitte ist das Beten für jemanden anderen und das Bitten Gottes zum Beispiel um Gnade.
Die Exponate zeigen eine Vielzahl von christlichen Symbolen. Anežka wird als unschuldiges Opfer idealisiert, durch die mediale Verbreitung zelebriert und im kulturellen Gedächtnis verfestigt.8 Wir sehen eine aktive Erinnerungsgemeinschaft, die das Andenken hochhält.

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