Weitere Kapitel zum Thema:

Mediale Moderne

Navigation: Anderl von Rinn > Rezeption > Ausstellung “Seliger Anderle”

Ausstellung “Seliger Anderle”

Am 7. Oktober 2017 wurde im Zuge der Langen Nacht der Museen die Installation Seliger Anderle im Tiroler Volkskunstmuseum eröffnet. Ziel war es, der Jahrhunderte alten Anderl-Legende einen „gegenwärtigen Kommentar[…]“ zu geben. Einen Einblick in die damals aufgebaute Installation bietet sowohl ein anschauliches Video auf YouTube als auch die Internetseite islandrabe.com, auf welcher die Verantwortlichen ihr Projekt vorstellen.
Fake news hieß die App, durch welche Besucher*innen die ausgestellten Glaskästchen erlebten und in Erfahrung brachten, was sich um den Anderl-Kult alles abgespielt hat und weiterhin abspielt. Ein technisch aufwändiger Aufbau mittels Smartphones erlaubte den interessierten Betrachter*innen ein für ein Museum ungewöhnliches Bild. Betätigte man den Fotoauslöser der fake news-App, wurden die weiteren Smartphones aktiv. Nachgemachte Oberflächen gängiger Sozialer Medien wie WhatsApp, Instagram und Twitter erschienen verteilt und kommentierten die Glaskästchen ganz unterschiedlich. Aussagekräftige Meldungen aus fünf Jahrhunderten wurden angezeigt. So äußerte sich beispielsweise Bischof Reinhold Stecher, der in den 1980er Jahren für die Abschaffung des Kultes gesorgt hatte, über Twitter mit dem Kommentar „Hier müssen wir etwas revidieren.“ Die Legende wurde mit dem Anspruch der Objektivität historisch eingeordnet, „[s]o ist sich der Bischof von Trient im 15. Jahrhundert sicher, dass Juden so etwas [Ritualmorde] tun“. Besucher*innen hatten dadurch die Möglichkeit, sich ein vollständig Bild zu machen.1
Die Nutzung bekannter Oberflächen aus den Sozialen Medien machte die Aktualität der Thematik deutlich. In Zeiten der medialen „Fake News“ wurde durch die verwendeten Plattformen auch klar, wie gefährlich eine beiläufig oder unkonzentriert gelesene Nachricht sein kann und wie schnell ein Mensch zu verleiten ist, sich eine scheinbar authentische und wissenschaftliche Meinung zur eigenen zu machen. Die Meldungen auf den installierten Smartphones, die einen nicht linear sondern rein zufällig durch die Geschichte um den Kult führen, waren nur kurz sichtbar. Auch mussten Besucher*innen zwischen den einzelnen Smartphones hin und her wechseln und selbst entscheiden, welche Nachricht sie lesen und welche sie für unwichtig erklären. Durch die Verwendung von visuell nachgeahmten Plattformen wie beispielsweise Twitter und WhatsApp, war das Publikum möglicherweise auch sogenannten Trolls oder Bots ausgesetzt, denn diese sind ebenfalls Bestandteil vieler Sozialer Medien. Durch diese umfassende Umsetzung konnten die Ausstellungsmacher zeigen, „wie Weltwahrnehmung gestaltet bzw. gesteuert wird.“2 Diesen Aspekt betont Niko Hofinger, einer der beiden Verantwortlichen, in einem Beitrag des ORF zur Langen Nacht der Museen und fügt hinzu, dass „jeder etwas behauptet, niemand etwas beweisen“ kann.3
Auf der Internetseite islandrabe.com lässt sich nachvollziehen, wie genau der technische Aufbau vonstatten ging und wie man sich die fake news App vorzustellen hat.

Exponate zum Thema