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Mildorfers Deckenfresken

In den 1980er Jahren wurde die Kirche in Rinn nicht nur einer Renovierung unterzogen, sondern bekam nach Einsetzung des Bischofs Stecher auch den neuen Namen Mariä Heimsuchung. Dadurch wurde die Aufhebung des Anderl-Kultes auch namentlich deutlich sowie die Hinwendung zum Motiv der Maria. Trotzdem sind einige Erinnerungsstücke an das angebliche Martyrium des Anderl erhalten geblieben. Insbesondere fallen dabei die Deckengemälde auf, die seit dem 4. November 1974 nach § 2 des österreichischen Denkmalschutzgesetzes unter Denkmalschutz stehen. Sie entstammen der Künstlerfamilie Mildorfer aus Innsbruck. Bei den 1740 fertig gestellten Ölgemälden handelt es sich um Werke der Barockzeit. Allerdings wurden sie bis 1989 den Künstlern Franz und Josef Giner zugeschrieben und galten damit bis dato als die einzigen Bilder, die von ihnen erhalten geblieben sind.1
Auf den Gemälden wird der vermeintlich Ritualmord an Anderl von Rinn veranschaulicht.
Den Auftakt macht ein Gemälde mit dem Titel Der Verkauf des Anderl an die Juden. Bei genauer Betrachtung kann man darauf erkennen, wie im Vordergrund einem Mann einige Taler gegeben werden. Ihm gegenüber sitzt ein durch den Gebetsriemen als Jude kenntlich gemachter Mann, der eine Geldbörse in der Hand hält. Weniger vordergründig ist hierbei Anderl selbst, der eher im Hintergrund von drei weiteren Männern umgeben ist. Einer von ihnen hält ihm einen runden Gegenstand entgegen.
Von besonderem Interesse ist das kompositorisch folgende, mittlere Deckengemälde, welches allerdings mit der Legende selbst kaum mehr zu tun hat. Auf diesem kann man Jesus umgeben von einigen Kindern erkennen. Gleichzeitig ist es eine Anspielung auf Anderl als Schutzpatron eben dieser. Bei dem auf einer Spanplatte befestigten Bildnis handelt es sich um ein Werk von Wolfram Köberl, welches 1989 angebracht wurde, um damit das ursprüngliche Fresko zu überdecken. Dieses durfte aufgrund des geltenden Denkmalschutzes nicht entfernt werden. Köberl war auch derjenige, der die Werke von Mildorfer bei den Renovierungsarbeiten restaurierte. Die Überdeckung des mittleren Freskos war unvermeidlich, da sich darunter als Motiv Die Schächtung des Anderl durch die Juden befindet. Auf diesem Gemälde kann man die angebliche Mordszene erkennen, in welcher Anderl auf einem großen Stein, von einer Gruppe als männlich dargestellter Juden ermordet wird, indem man ihm ins Fleisch schnitt.
Das dritte Bild erhielt von Mildorfer den Titel Blutstropfenwunder von Amras. Auf diesem Fresko kann man eine Gruppe weiblicher Figuren am Rande eines Kornfeldes sehen. Bei der im Vordergrund abgebildeten Frau handelt es sich um die Anderls Mutter. Sie arbeitete laut der Legende als Kornschneiderin. Diese Tätigkeit wird durch die Sichel in ihrer Hand verdeutlicht. Auf ihrer Hand kann man sehr genau drei Blutstropfen erkennen, welche die angebliche Greueltat symbolisieren, die Anderl angetan wurde. Das letzte Bild der Serie stellt das Werk Die Himmlische Verklärung des Anderl von Rinn dar. Auf diesem ist ein von Kindern umgebener, blond gelockter Anderl im roten Gewand abgebildet, der in der linken Hand den Palmwedel hält, als Symbol des Märtyrers, und nach christlichem Verständnis als solcher in den Himmel aufgestiegen ist. Dieses Fresko befindet sich über dem Hochaltar in der Kirche und damit an einem zentralen Ort. Die Fresken der Anderl-Ritualmordlegende, eindrucksvoll vom Künstler im 18. Jahrhundert in Szene gesetzt, ziehen noch heute Besucher*innen zur Kirche nach Judenstein bei Rinn. Als Sehenswürdigkeit werden sie von Interessierten fotografiert, aber auch abgedruckt und dadurch über die lokale Aufmerksamkeit hinaus verbreitet.

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