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Anklage und Verteidigung in der Affäre von Tiszaéslar

Schaut man sich die Prozessbeteiligten von Tiszaeszlár an, so wird schnell deutlich, dass hier weit mehr verhandelt wurde als ein vermeintlicher Mord. Es war ein Kräftemessen der Antisemiten mit der liberalen Regierung und dem Justizsystem.
Die Antisemiten setzten alles daran, den Prozess zu kontrollieren. Sie versuchten, die beteiligten Personen zu manipulieren oder entfernen zu lassen, sobald sie nicht in ihrem Sinne handelten. Dafür war ihnen kein Mittel zu schade. Sie bedrohten Familien, streuten Gerüchte, zerstörten Karrieren, drohten körperliche Gewalt an. Aufgrund dieser Umstände gab es auf Seiten der Verteidigung einen regen Wechsel, da nicht jeder Anwalt den üblen Diffamierungen der Antisemiten standhielt. Übrig blieben letztlich die beiden Parlamentsabgeordneten Dr. Károly Eötövs, Alexander Funták, sowie Dr. Heumann, Dr. Friedmann und Dr. Székely.
An Eötvös, der den Vorsitz der Verteidigung führte, bissen sich die Antisemiten die Zähne aus. Er war ihnen ein Dorn im Auge und sie versuchten alles, um den Verteidiger loszuwerden und seine politische sowie juristische Karriere zu zerstören. Eötvös aber ließ sich nicht beirren und stand bis zum Schluss für die Wahrheit ein.1
Auch in den Reihen der Staatsanwaltschaft gab es Unruhen. Kurz nach der Anklageerhebung im Mai 1882 erschoss sich der berufene Staatsanwalt Menyhért Both. Obwohl sein Selbstmord nicht im Geringsten mit dem Fall zu tun hatte, brodelte die antisemitische Gerüchteküche. Both war den Antisemiten zugeneigt, so dass nach seinem Tod schnell Gerüchte aufkamen, die Juden hätten ihn umgebracht. Auch die folgenden beiden Staatsanwälte Ladislaus Egressi-Nagy und Emerich Havas stolperten über die antisemitischen Verleumdungsaktionen. Erst mit Eduard von Szeyffert kehrte in den Reihen der Staatsanwaltschaft Ruhe ein. Szeyffert blieb bis zum Ende des Prozesses und kämpfte für ein gerechtes Urteil. Er ließ sich auch durch Angriffe auf seine Person nicht einschüchtern, was ihm die Bewunderung der besonnenen Bürger und den uneingeschränkten Hass der Antisemiten einbrachte.2
Der Vorsitzende Richter Franz Korniß hielt sich im Amt, weil er den Antisemiten keinen Einhalt gebot. Er ließ das Publikum gewähren, wenn es lautstark pöbelte. Er sprach lediglich eine Verwarnung gegen Géza Ónody aus, nachdem dieser den Staatsanwalt Szeyffert mit einem Stock geschlagen hatte. Fallen ließen die Antisemiten den Richter erst, nachdem dieser die Angeklagten freigesprochen hatte.

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