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Die Auseinandersetzung mit den Memoiren des Károly Eötvös

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit dem Prozess steht nach der Jahrhundertwende der ungarische Intellektuelle Károly Eötvös. Er war Politiker der nationalliberalen Unabhängigkeitspartei Ungarns sowie Verteidiger der wegen Mordes beschuldigten jüdischen Bürger im Fall Eszter Solymosi. Eötvös hat durch die Veröffentlichung seiner Memoiren das ungarische Justizsystem in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
In seinem 1904 publizierten Werk A nagy per: mely ezer éve folyik s még sincs vége [Der große Prozess: der seit tausend Jahren fortgeführt und nicht beendet worden ist] reflektiert Eötvös den Gerichtsprozess und kritisiert dessen Umstände. Seiner Ansicht nach habe die politische Agitation rechtsnationaler Kreise zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt. Die Vorwürfe gegenüber seinen Mandanten seien haltlos gewesen und beeinträchtigen die verfassungsrechtlich garantierte Würde des Menschen.1
Gegen die Äußerungen formierte sich innerhalb kürzester Zeit Widerstand. Neben Spottkarikaturen, die Befürworter des Prozessausgangs als sogenannte jüdische Bandenmitglieder brandmarkten, etablierten rechtsnationale Intellektuelle und Organe einen Märtyrerkult um die Person Solymosi. Dies geschah unter der Einwirkung von Ferenc Szálasi und dessen faschistischer Pfeilkreuzler-Bewegung. Zusätzlich angefeuert wurde die Debatte durch das Gedicht József Erdélyis mit dem Titel Solymosi Eszter vére [Das Blut der Eszter Solymosi]. In diesem 1937 veröffentlichten Werk wird der Tod Solymosis mit der Kreuzigung Jesu verglichen. Das Mädchen sei ,,wie eine Gans‘‘ von Juden ,,geschlachtet‘‘ worden und verkörpere ,,das traurige Schicksal‘‘ der ungarischen Nation.2

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