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MIÉP Hochburg Tiszaeszlár

Die Gemeinde Tiszaeszlár wird heute zu den Hochburgen der rechtsextremen Szene in Ungarn gezählt. Von 2014 bis 2019 hat die Ungarische Wahrheits- und Lebenspartei [Magyar Igazság és Élet Pártja; kurz MIÉP] mit Tibor Barnabás Nagy den Bürgermeister der Gemeinde gestellt. Der Erfolg ist anfangs auf die Ortshistorie zurückgeführt worden, seit der Wahlniederlage Nagys im Oktober 2019 wird jedoch auf andere Faktoren verwiesen, die isoliert vom Ereignis der Jahre 1882/83 betrachtet werden müssen.1
Im Vordergrund steht hierbei die wirtschaftliche Situation. Die Gemeinde befindet sich im Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg, das zu den strukturschwächsten Regionen Ungarns gehört. Wenige Beschäftigungsmöglichkeiten, eine schlechte infrastrukturelle Anbindung an die Wirtschaftszentren des Landes sowie Engpässe bei der Grundversorgung sind ausschlaggebend für die hohe Abwanderungs- und Arbeitslosenquote des Komitats. Zudem bestehen Probleme bei der Integration der Roma, die fünf Prozent der Einwohnerschaft Tiszaeszlárs stellen und bei den Bürgern Ängste vor einer Überfremdung der Kommune schüren. Eine spürbare Verbesserung der Situation konnte unter Nagy nicht erreicht werden, sodass die Abwahl 2019 Ausdruck der Unzufriedenheit mit der politischen Führung war.2
Verstärkt wird die Ablehnung insbesondere durch kontroverses Auftreten des Bürgermeisters, dessen aggressive Rhetorik zu einer negativen Wahrnehmung der Gemeinschaft in der ungarischen Öffentlichkeit geführt hat (siehe Interview).
Neben diesen Faktoren muss auf das Fehlen von Gegenkandidaten bei der Bürgermeisterwahl 2014 verwiesen werden, aufgrund dessen Nagy überhaupt erst einen Stimmenanteil von 100 Prozent erzielen konnte.3

Exponate zum Thema

Tiszaeszlár und der ,,Nationale Gedenktag" - Diese Videosequenz vom 14. Oktober 2017 verdeutlicht die Herangehensweise rechtsnationaler Parteien zur Erlangung politischer Macht. Der Bürgermeister von Tiszaeszlár nutzt den Gedenktag zur Erinnerung an den Ungarischen Volksaufstand von 1956, um gegen gesellschaftliche Minderheiten sowie politische Gegner zu mobilisieren und die Bürger von der eigenen Zielsetzung zu überzeugen (Vertretung des Volkswillens). Quelle: Attila Rozgonyi / Azonnali.hu. Online unter https://www.youtube.com/watch?v=ieRqo2IceJU (abgerufen am 12.02.2020).