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Die Ungarische Antisemitenpartei (1882-1892)

Das Urteil im Fall Eszter Solymosi hatte unmittelbar nach dessen Verkündung zu kontroversen Debatten zwischen nationalliberaler Regierung und rechtsnationaler Opposition geführt.
Als Reaktion auf den Freispruch der jüdischen Männer wurde mit der Antisemitenpartei Ungarns am 6. Oktober 1883 die erste politische Organisation des Landes gegründet, die sich offen als antisemitische Bewegung definierte. Hauptinitiatoren waren Győző Istóczy, Géza Ónody sowie István Simonyi, deren programmatische Zielsetzung in der Zurückdrängung des vermeintlich jüdischen Einflusses bestand. Zwischen 1884 und 1892 war die Partei im ungarischen Parlament vertreten und hat trotz einer überschaubaren Anzahl an Abgeordneten (durchschnittlich 10 Mandate) einen erheblichen Einfluss auf die ungarische Politik der 1880er Jahre ausgeübt. Dies ist sowohl auf die Vernetzung mit anderen europäischen Antisemitenparteien als auch auf die medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit der Partei zurückzuführen. Besonders hervorzuheben sind bei Letzterem die 215 Seiten umfassende Hetzschrift Ónodys mit dem Titel Tißa-Eßlar in der Vergangenheit und Gegenwart (1883) sowie die Berichterstattung des Westungarischen Grenzboten, bei der István Simonyi als Redakteur tätig gewesen ist.1
Parallel zur politischen Situation spiegelt die künstlerische Darstellung der Affäre das Erstarken antisemitischer Denkmuster wider. Der Ritualmordvorwurf fand Eingang in populäre Medienformen und bewirkte eine Verbreitung jüdischer Stereotypen. So nimmt das 1983 erschienene Notenblatt zum Klavierstück Sakter-Polka von Marcel Szentivány Bezug auf jüdische Speisegesetze und bildet entsprechend einen Aufseher zur Einhaltung der jüdischen Speisegesetze, auch Maschgiach genannt, mit langem Bart sowie Hakennase ab.2 Auch das, dem Ouvre des ungarischen Künstlers Mihály Munkácsy zugeordnete, Gemälde Ritualmord (datiert zwischen 1889-1897) zeichnet das Bild des blutrünstigen Juden mit langer Hakennase, der Eszter Solymosi im Rahmen seiner religiösen Handlung opfert.3 Daneben stellen Volksliedersammlungen, wie im Flugblatt Füstölö (übers. der Räuchernde), einen Zusammenhang zwischen dem Tod Solymosis und der Geldgier der Juden her.4
Gegen die Diskriminierung der jüdischen Minderheit ergriff die von Kálmán Tisza geführte nationalliberale Regierung Sanktionen. Neben der Unterbindung von Demonstrationen nationalistischer Gruppierungen zur Forderung der Revision des Gerichtsurteils, erhielten Abgeordnete der Antisemitenpartei keinen Zugang zu parlamentarischen Ausschüssen.5

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