Navigation: Tiszaeszlár > Nationale Rezeption > Volksrepublik Ungarn

Rezeption des Falls von Tiszaeszlár in der Volksrepublik Ungarn

Betrachtet man die Rezeption des Falls von Tiszaeszlár in der Volksrepublik Ungarn, so lassen sich zwei gegensätzliche Entwicklungen feststellen. Zum einen wird innerhalb der Staatsgrenzen im Zuge der Systemtransformation das Prinzip des Antifaschismus durch die kommunistische Partei Ungarns durchgesetzt; negativ konnotierte Darstellungen von Minderheiten werden als ,,faschistische Bestrebung‘‘ deklariert und mit Strafmaßnahmen geahndet. In Konsequenz werden Produktionen mit antisemitischem Inhalt nahezu vollständig verboten.1
Jedoch bestehen hierbei auch Probleme, nämlich dass eine Aufklärung der tatsächlichen Umstände des Falls behindert wird. Dies betrifft insbesondere Vorbehalte der Parteiführung gegenüber sämtlichen künstlerischen Aufarbeitungen, die sich mit dem Tod Eszter Solymosis befassen. Man befürchtete durch die Produktionen eine Reaktivierung antisemitischer Denkmuster innerhalb der Bevölkerung, die den gesellschaftlichen Frieden gefährden würden. Veranschaulichen lässt sich die Auffassung der Regierung anhand von zwei Verfilmungen des Falls von Tiszaeszlár. Während eine Anfrage zur Produktion des Films Der Prozess unter Regie von Georg Wilhelm Pabst in Ungarn 1947 abgelehnt wurde,2 verbot die Regierung 1981 die Aufführung des ungarischen Spielfilms VERZIÓ [Version] von Miklos Erdélyi. Beide wurden unter dem Vorwand der detailgetreuen Darstellungen einer fiktionalen Blutbeschuldigung abgelehnt.
Zum anderen verlagerten sich Aufarbeitungen mit antisemitischem Inhalt in das Ausland. Intellektuelle, die zu Unterstützern der Pfeilkreuzler gezählt werden, emigrierten in westeuropäische Staaten und veröffentlichten (teils in Eigenregie) Schriften über die vermeintlich wahren Hintergründe der Affäre von Tiszaeszlár. Zu ihnen zählt unter anderem der Schriftsteller Lajos Marschalkó, der in seinem Werk Világhódítók. Az igazi háborús bűnösök [Welteroberer. Die wahren Kriegsverbrecher] die Abhängigkeit der ungarischen Justiz vom angeblichen Weltjudentum als Ursache für den Freispruch der jüdischen Männer sieht.3

Exponate zum Thema


Ausschnitt aus dem Film VERZIÓ [Version] (Ungarn, 1979) - Der Ausschnitt des Films von Miklos Erdélyi zeigt das erzwungene Geständnis von Móric Scharf und die Ermordung Eszter Solymosis durch die jüdischen Männer. Quelle: Álmos Király Televízió. Online unter https://www.youtube.com/watch?v=l8LL3RNj08Y (abgerufen am 14.02.2020)