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Die (Ohn-) Macht der Päpste

Zahlreiche Überlieferungen machen deutlich, dass der Kirche, und somit den Päpsten, eine besondere Sorge für das Judentum oblag. Dies wurde einerseits damit begründet, dass es unter den Juden auf der einen Seite Menschen geben könnte, welche sich zum Christentum bekehren wollten und andererseits, weil jene trotz ihrer minderen Position, die christliche Religion bezeugten. Nicht in Form von Sondersteuern, sondern durch ihre Lebensführung und ihre hebräischen Schriften, die ebenso zur Glaubenslehre der katholischen Kirche beitrugen, zahlten sie einen unschätzbaren Tribut.1 Außerdem war der Papst der Meinung, dass es seitens der Juden eine gewisse Bereitwilligkeit bestünde, diese mindere Position einzunehmen. Aufgrund dessen sah sich zu jener Zeit Papst Sixtus IV. gezwungen, in den Prozess einzugreifen, vor allem, nachdem er von Bischof Hinderbach über den Fall Simons von Trient unterrichtet worden war und sich auch zahlreiche Juden und Fürsten aufgrund der Ausschreitungen an ihn wandten. Daraufhin schickte er einen Kommissar, um die Lage in Trient besser einschätzen zu können, wonach der Prozess aufgrund von angeblichen Bestechungsversuchen seitens der Juden, wenn auch nur für kurze Zeit, unterbrochen wurde. Unter Einsicht der Prozessakten erließ er am 10. Oktober ein Breve an die Fürsten Italiens in dem er verlauten ließ, dass er über die Verbreitung des Falles durch Bilder und Schriften erfahren habe und derartige Handlungen durch kirchliche Sanktionen und zivile Strafen einzudämmen versuche. Zudem verfasste er den Hinweis, dass die Beschuldigungen keineswegs erwiesen seien und befahl darauf, die Verbreitung des Märtyrertums sowie die Veröffentlichung angeblich bewirkten Wundertätigkeiten zu unterbinden. Außerdem fordert er die Freilassung von Frauen und Kindern. Später berief der Papst eine Kardinalskommission, welche die anhängigen Prozesse auf ihre Rechtmäßigkeit prüfen sollte, um zu einer endgültigen Entscheidung zu gelangen.2 Dies stellte insgesamt den Versuch dar, dem Trienter Prozess Anerkennung auszusprechen und gleichzeitig die traditionelle, päpstliche Position der Ablehnung des vorherrschenden Antijudaismus aufrechtzuerhalten. Im Oktober 1475 wurde der Prozess wieder aufgenommen, sodass Papst Sixtus IV. nach Erhalt der abgeschlossenen Prozessakten gezwungen war, diesen formalrechtlich anzuerkennen.3 Insgesamt versuchten die Päpste zwar immer wieder, die andauernden Prozesse zur Wiederherstellung der päpstlichen Bullen durchzuführen, allerdings hatten sie damit nur mäßig Erfolg.

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