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Freske in Santa Maria Annunciata

Die hier zu sehende Freske (Abb.1), mit leider unbekanntem Titel, ist zu finden in der Kirche Santa Maria Annunciata in der Lombardei, genauer in Bienno. Als Freske, italienisch pittura a fresco/ al fresco (Malerei auf das Frische) bezeichnet man Wandmalerei mit Wasserfarben, die ohne Bindemittel auf frischen oder feuchten Putz, bestehend aus einer Mischung aus Kalk oder Sand mit Wasser aufgetragen wird. Manchmal werden zu diesem Gemisch auch Stroh, kleine Marmor -, Kalkstein-, oder Ziegelstücke hinzugefügt.
Zentriert auf einem Podest mit einer nur noch teilweise erkennbaren Aufschrift in Latein –BEATVS SIMON DE TRIDENTO MARTIR […], Seliger Simon von Trient, Märtyrer – steht der kleine Simon, gekleidet in ein rotes Gewand mit weißer Schürze. In seiner rechten Hand hält er das für seine ikonographische Darstellung typische Marterwerkzeug, eine Kneifzange. Mit seiner linken, erhobenen Hand umfasst er eine prunkvolle Standarte. Bei der Person, die links neben Simon abgebildet wurde, handelt es sich vermutlich um Maria. Das legen Heiligenschein, betende Geste und ihr leidender, auf den gekreuzigten Jesus gerichteter Blick nahe sowie die Tatsache, dass gerade im 15. Jahrhundert oftmals Fresken oder Gemälde angefertigt wurden, die sich thematisch mit der Kreuzigung Christi auseinandersetzen und Maria dann zumeist so dargestellt wurde. Rechts neben Simon befindet sich eine weitere, wohl ebenfalls anbetungswürdige Person. Das lässt zumindest der Heiligenschein vermuten. Wen genau die Figur darstellen soll, ist schwer zu sagen. Mit ihrer Rechten hilft sie Simon dabei, die Standarte zu tragen. In ihrer Linken allerdings hält sie eine Feder. In der Mythologie wurde die Feder benutzt, um das Aufwiegen der Seele darzustellen. War die Seele genauso leicht wie die Feder, so war sie sündenfrei. Besonders auffallend bei dieser Freske ist jedoch, dass Jesus Christus seitlich versetzt zu Simon im Hintergrund gemartert am Kreuze hängt. Obwohl die wohl wichtigste Person des Christentums auf der Freske abgebildet wurde, ist doch Simon von Trient der Mittelpunkt. Das zeigt deutlich den Stellenwert, den das populäre Märtyrerkind im 15. Jahrhundert für die gläubige Bevölkerung besaß.1
Genau wie die Referenzbilder (Abb. 2-4) ist dieses Exponat ein gutes Beispiel für den Kult, dessen Aufnahme und die mediale Verbreitung durch das Volk. Der selige – und nicht etwa heilige – Simon wurde gegen eine Kirchenführung, die seine Kanonisierung ablehnte, von den Anhänger*innen des Kultes als Märtyrer betrachtet: zu erkennen an der Standarte und dem Marterwerkzeug, welches Simon umklammert, sowie an der Aufschrift auf dem steinernen Sockel. Hinzu kommt, dass der Künstler Simon sozusagen auf die gleiche Bedeutungsebene wie den für das Christentum leidenden Jesu stellt. Außerdem befindet sich das Bild in der Gesellschaft weiterer Fresken, die Simon mit anderen Heiligen darstellen. Man kann also davon ausgehen, dass es nicht nur in Trient, sondern auch in oberitalienischen Glaubensgemeinschaften offenbar verbreitet war, Simon als Heiligen anzusehen.2

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