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Gemälde im Castello del Buonconsiglio

Das hier abgebildete titellose Ölgemälde befindet sich im Castello del Buonconsiglio in Trient. Hierbei handelt es sich nicht nur um die größte und wichtigste Burganlage der Region, sondern auch um den ehemaligen Herrschaftssitz der Fürstbischöfe. Vom 12. bis zum 18. Jahrhundert wurde das Schloss von den Bischöfen genutzt.1
Auf dem farbenprächtigen Ölgemälde ist der zweieinhalbjährige nackte Simon mit rosigen Wangen und unversehrtem Körper dargestellt. Im Stil des Simon triumphans zeigt ihn der Maler als Auferstandenen, weshalb seinen Kopf auch ein prunkvoller, goldener Heiligenschein ziert. Um seinen Hals ist ein weißes Tuch geschlungen, welches auf die Reinheit und Unschuld des Kindes verweist. Simons Blick wendet sich gen Betrachter*in, sein rechter Arm ist leicht erhoben und in der Hand hält er das typische Passionswerkzeug, das Messer. Den linken Arm hingegen drückt er eng an seinen Körper. Auch in dieser Hand ist ein Marterwerkzeug abgebildet, vermutlich handelt es sich hier um ein Messer oder eine Ahle.2
Wie in den Fresken wird Simon auch hier als Heiliger behandelt, obwohl er eben nur seliggesprochen wurde. Somit setzt sich der Künstler erneut über den Tatsachenbestand hinweg. Das gleiche Prinzip gilt für die Darstellung von positiven Attributen seines Martyriums, wie zum Beispiel der Märtyrerpalme. Denn obwohl Simon vom Heiligen Stuhl nie offiziell in den Status eines Märtyrer-Heiligen erhoben wurde, wird er sehr häufig mit dieser oder anderen Attributen abgebildet.3
Man darf nicht vergessen, dass Kunst in den vergangenen Jahrhunderten ein ausgesprochen wichtiges Medium gewesen ist, mit dem man selbst Analphabet*innen – im Mittelalter machten sie den Großteil der Bevölkerung aus – leicht erreichen und deren Meinung beeinflussen konnte. In diesem Fall dürften die Adressat*innen allerdings hauptsächlich der Klerus und Adlige gewesen sein, denn das Ölgemälde hängt, wie bereits erwähnt, im Castello del Buonconsiglio. Es wurde wahrscheinlich von Johannes Hinderbach, einem der bekanntesten Verfechter des Kultes, in Auftrag gegeben. Der Fürstbischof ließ zwischen 1465 und 1486 den Wohnsitz der Bischöfe im gotischen Stil erneuern. Umbauten in derartigen Ausmaßen kosteten große Summen an Geld. Damit stellt sich die Frage, ob Hinderbach möglicherweise deshalb ein so starkes Interesse daran hatte, Simon sowohl heiliggesprochen als auch zum Märtyrer erhoben zu sehen. Denn den finanziellen Aspekt der Verbreitung eines Kultes, der einen angeblichen Ritualmord propagiert, darf man keinesfalls außer Acht lassen. Durch die Pilger*innen, die vermeintlichen Wundertätigkeiten und unter anderem die künstlerischen Ausfertigungen dürfte sehr viel Geld in die Kasse der Stadt Trient geflossen sein.4

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