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Historie von Simon zu Trient

Das Werk Historie von Simon zu Trient wurde am 6. September 1475 von Albrecht Kunne aus Duderstadt in Trient gedruckt. Der Autor dieser Schrift ist unbekannt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass dieser ein Geistlicher war, der dem näheren Umfeld des Fürstbischofs entstammte, da er die Geschehnisse des Prozesses gut kannte und biblische Bezüge in seiner Schrift aufgreift.1
Das Werk ist insofern etwas Besonderes, als es das erste gedruckte Buch in Trient darstellt2 und sich sichtlich von dem Tiberinus-Brief unterscheidet. Der Druck besteht aus 13 Kapiteln und zwölf Holzschnitten. Die Kapitelseiten erläutern jeweils die gegenüberliegende Abbildung. Die Erzählung beschreibt die Geschehnisse, im Gegensatz zu dem dramaturgischen Aufbau bei Tiberinus, umständlich und ausführlich.
Der Druck von Albrecht Kunne folgt einer ähnlichen Erzählstruktur wie der Tiberinus-Brief. So wird zunächst in die Thematik der Blutbeschuldigung eingeführt, um darauf ein Treffen der Juden von Trient zu schildern, in dem ihr angebliches Vorhaben erläutert wird: da es ihnen für ihr Pessachfest am christlichen Blut „mangelt[e]“. Danach wird die Entführung Simons durch den Juden Tobias erläutert, bei der er den Jungen zum Hause Samuels bringt, wo er in eine Kammer geführt wird und die anderen Juden dazu kommen. Hier findet das angebliche Martyrium statt. Die Leiche des Kindes wird, so der Text weiter, auf den „Almamer“ abgelegt und ein Fluch über das christliche Volk ausgesprochen, wofür man das Blut Simons für das Passafest nutzt. Immer wieder werden hierbei Bezüge zur Geschichte Moses und seines Volkes in Ägypten eingebracht. Währenddessen suchen die Eltern und die Stadtbevölkerung nach dem Kind. Als die Juden das mitbekommen, halten sie es zunächst versteckt. Am Ostersonntag schicken sie dann Tobias zum Bischof von Trient, um diesen zu sagen, dass sie das gefunden hätten. Bei der Begutachtung des Leichnams fallen dem Podestà die vielen Wunden auf, weshalb dieser von einem Ritualmord ausgeht. Die Leiche wird in eine Kapelle der Kirche gebracht. Unterdessen werden die Juden und ihre Frauen gefangen genommen und ihre Strafe für den angeblichen Ritualmord verhängt.3
Im Gegensatz zum Tiberinus-Brief ist in der Historie von Simon zu Trient eine noch größere Freiheit der Erzählung zu lesen, da viele Stellen zum Tiberinus-Brief und zu den Prozessakten hinzugedichtet wurden. Beispielsweise finden sich oft hebräische Wörter in dem Text und viele religiöse Interpretationen durch die häufige Erwähnung der Geschichte von Ägypten.4 Auch finden sich in den Holzschnitten, die im gegenüberliegenden Text erklärt werden, den Juden zugeschriebene stereotypische Merkmale, wie der Judenhut oder die Geldbeutel um die Taille der Juden.

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