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Die katholische Kirche

Der Kirche kommt im gesamten Prozess der Ritualmordbeschuldigungen eine tragende Rolle zu. Das Leben der Menschen wurde zu jener Zeit intensiv durch Religion geprägt, sodass sich Glaubensgemeinschaften zu isolierten Lebensgemeinschaften entwickelten und die Institution der Kirche dadurch einen wesentlichen Motor antijüdischen Gedankenguts bildete. Seitens der Christ*innen galt das Judentum als Abstammungs- statt einer eigenständigen Religionsgemeinschaft, sodass Anhänger*innen ohnehin schon eine untergeordnete Position zugeschrieben wurde. Obwohl der Heilige Stuhl des Öfteren versuchte, der Bewegung entgegenzusteuern, indem er sich durch päpstliche Bullen für den Schutz und die Erhaltung des Judentums einsetzte, hatte sich seitens der Bevölkerung eine Eigendynamik entwickelt, welche nicht aufzuhalten war. Für sie bestand kein Zweifel, dass Simon von Trient durch Feinde des christlichen Glaubens und zur Verhöhnung desselben ermordet worden sei. Bis heute finden sich sehr unterschiedliche und auch völlig falsche Darstellungen der beschriebenen Ereignisse. Eine besondere Betonung hinsichtlich des Anspruchs auf einen Märtyrerstatus lag zudem in den angeblichen Wundertätigkeiten, dem wichtigsten Element der Heiligen- und Seligenverehrung. Die Verbreitung von solch profanen Anschuldigungen und Stereotypen durch die christliche Bevölkerung führte zu einer vorläufigen päpstlichen Erlaubnis, den Kult ausleben und das Kind Simon als Märtyrer und Heiligen verehren zu dürfen, auch wenn eine offizielle Kanonisierung ausblieb. Die Auswirkungen dessen waren zahlreiche Elemente und Riten, welche sich immer tiefer in die Religion eingruben. Der Grundstein hinsichtlich der Abschaffung magischer Vorstellungen und rituell kultischer Handlungen konnte nur mühsam – und spät – durch das Zweite Vatikanische Konzil gelegt werden.

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