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Das Verbot des Kultes durch das Zweite Vatikanische Konzil

Die Entwicklung nach 1589, dem Jahr der ursprünglichen Kulterlaubnis, war von einer überaus starken Resonanz geprägt. Der Kult um Simon intensivierte sich erneut, sodass im Laufe des 17. Jahrhunderts Kultorte an der Stelle der angeblichen Ermordung neu errichtet wurden. Durch zahlreiche Spenden hatten in Trient Umgestaltungen stattgefunden, wodurch ein Aufschwung der Verehrung provoziert wurde.1 Im Jahr 1663 folgten dann die ersten Forderungen nach einer Revision des Urteils der katholischen Kirche über die Seligsprechung. Die Entscheidung zur offiziellen Abschaffung erfolgte nach dem Zweiten Vatikanum. Dieses Konzil bezeichnet die größte Kirchenversammlung des 20. Jahrhunderts. Sie wurde von Papst Johannes XXIII. im Oktober 1962 eröffnet und fand erst im Dezember des Jahres 1965 ihren Abschluss. Das Konzil bedeutete eine Revolution für die römisch-katholischen Kirche, die von nun an ein neues Bild und Selbstverständnis als Gemeinschaft aller Gläubigen zu verkörpern versuchte. Es war ein Aufbruchssignal, ein Bekenntnis zur Religionsfreiheit, eine neue Verbindung mit anderen, nichtchristlichen Religionen. Die Kirche sah sich von nun an als das „Volk Gottes“ mit dem gesellschaftlichen Auftrag, den Menschen in den Vordergrund zu rücken. Man ist bemüht, die Kirche der Welt hin zu öffnen, gewohnte Traditionen hinter sich zu lassen und damit auch dem Antisemitismus eine Absage zu erteilen. Die 1965 verlautbare Erklärung über das Verhältnis gegenüber nichtchristlichen Religionen ist die Abwendung von „alle[n] Manifestationen des Antisemitismus.“2 Nachdem der Grundstein der kommenden Veränderungen gelegt wurde, konnte 1965 der Kult um das Kind letztlich anhand der Prozessakten und mit der Zustimmung des Heiligen Stuhls ohne größere Widerstände der Gesellschaft abgeschafft werden. Entschieden wurde auf der Grundlage der nun „viel genauer bekannten Wahrheiten“3 durch das Breve von Papst Sixtus IV., das die Nichtigkeit des Prozesses bekräftigte und den Tod der Jüdinnen und Juden für sinnlos erklärte. Daraufhin bemühte man sich zahlreiche Gedenkstätten und Denkmäler zu beseitigen, um keinen Ansatzpunkt für fortlaufende Verehrungen zu bieten. Das Kultverbot ging außerdem mit der Befriedigung der israelitischen Welt einher, welche bis dahin unter jahrelangen, falschen Beschuldigungen und der Vermengung theologischen und sozialen Hasses gelitten hatte. Doch obwohl solche Kulterscheinungen durch das Zweite Vatikanische Konzil als abgeschafft galten, findet man noch heute überzeugte Anhänger*innen.

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