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Reliquien

Der Bürgermeister veranlasste nach dem Fund der Leiche, dass man diese obduzierte, damit eine Gewalttat nachgewiesen werden konnte. Giovanni Mattia Tiberino, persönlicher Leibarzt des Bischofs Hinderbach und bekannter Humanist, führte die Obduktion noch am gleichen Tag durch und kam zu dem Ergebnis, dass es sich hierbei nur um Mord handeln konnte. In diesem speziellen Fall nicht nur Mord, sondern Ritualmord. Angeblich wäre dies erkennbar an der Art der zugefügten Verletzungen.1
Auf Befehl Hinderbachs wurde die Leiche des Jungen schon drei Tage nach dem Fund in der Kirche S. Pietro in Trient aufgebahrt. Aufgrund der raschen Verbreitung des Kultes und der vermeintlichen Wundertätigkeiten entschied sich Papst Sixtus IV., einen Gesandten nach Trient zu schicken. Als seinen Kommissar wählte er den dominikanischen Bischof von Ventimiglia, Giovanni Battista dei Guidici. Dieser erreichte Trient am 1. September 1475.2
Als dei Guidici die Kirche besuchte, zeigte ihm Johannes Hinderbach den aufgebahrten Leichnam und bewegte dabei ein Bein des Jungen, um zu beweisen, dass er eben auf wundersame Weise nicht verwest sei. Allerdings stieg ein so strenger Geruch auf, dass es dem Gesandten den Magen umdrehte. Man muss im Hinterkopf behalten, dass zu diesem Zeitpunkt der kaum präparierte Leichnam des Kindes schon seit Ende März – also gut fünf Monate – auf dem Altar lag und trotz des kalten Steins und der vergleichsweise kühlen Kirchengebäudes den Temperaturen des Sommers ausgeliefert war. Es gab das Gerücht, vor allem vorangetrieben durch Hinderbach und die Anhänger*innen des Kultes, dass der unbehandelte Körper Simons keinerlei Anzeichen des Verfalls aufweise.3 Der Gesandte bestand darauf, dass Simon umgehend einbalsamiert werde. Auch dies übernahm Tiberino.
Circa anderthalb Jahrhunderte später, 1637, untersuchte eine Ärztegruppe den Leichnam Simons erneut. Darunter auch Hippolyt Guarinoni, Arzt, Historiograph und Schriftsteller. Eben dieser trug maßgeblich zur Verbreitung der Anderl-Legende bei. Er untersuchte den mittlerweile mumifizierten Körper, denn er wollte ihn vernünftig präparieren. Nach einer weiteren Untersuchung Jahrhunderte später stellte Eckert fest, dass der Leichnam größer wirke als der durchschnittliche Wuchs, den ein Kind in Simons Alter – also mit zweieinhalb Jahren – eigentlich haben sollte. Deshalb forderte er eine anthropologische Untersuchung, um genauere Hinweise zu liefern zu können. Sollte es sich tatsächlich so verhalten, wie Eckert vermutet, könnte es sein, dass all die Jahrhunderte eben nicht Simon von Trient aufgebahrt und letztlich durch Trient getragen wurde, sondern der Körper eines völlig unbekannten Kindes. Die Frage bleibt offen, wo genau sich „Simon von Trient“ befindet. Ob und wenn ja, wann der Körper ausgetauscht wurde und vor allem: warum?4 Auf der Grundlage der Reformen des II. Vatikanischen Konzils 1965 und dem daraus resultierenden Kultverbot, wurden jedoch nicht nur die Prozessionen eingestellt und die Bilder in der Peterskirche abgehangen, sondern auch der Leichnam und die anderen Reliquien entfernt. Bis heute ist der neue Aufenthaltsort nicht offiziell bekannt.

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