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Der selige Simon

In Trient war man trotz der ohnehin schon überregionalen Dimension des Falles Simon stets bemüht, die lang ersehnte Kulterlaubnis zu erreichen. Zur Zeit des Trienter Judenprozesses war diese bereits allgemein üblich geworden, die Verehrung fand daher auch schon ohne die päpstliche Erlaubnis statt, wobei zwischen Kulterlaubnis und Kanonisierung nicht differenziert wurde. Immer wieder bat man den sich bisher wehrenden Papst in diesem Falle eine Approbation auszusprechen mit der Argumentation und dem Rückbegriff auf vorherige Fälle selig gesprochener Kinder und der einhergehenden Parallelisierung des Kindes Simon, was einen Schwachpunkt der päpstlichen Bulle aufgriff. Jene machte sich dadurch angreifbar, dass die formaltechnische Anerkennung des Prozesses und die gleichzeitige Vermeidung des Inhaltes sich als widersprüchlich ergab. Außerdem versuchte man vor allem in Bezug auf die Wundertätigkeiten Beweise vorzulegen, welchen der päpstliche Kommissar nachgehen sollte. Das spätere Gutachten zahlreicher Zeugenberichte fiel positiv aus. Hinzu kam der Umstand, dass Papst Sixtus IV. verstorben war und sein Nachfolger Innozenz VIII. dem Prozess nicht abgeneigt gegenüberstand. Die endgültige Kulterlaubnis folgte jedoch erst 1588, 100 Jahre später, durch Papst Sixtus V. mit seiner Bulle Regni Coelorum, durch welche Simon die Ehre zuteil wurde als Märtyrer verehrt werden zu dürfen. Dabei stand noch immer mit keinem Wort geschrieben, dass Simon von Juden ermordet wurde und noch weniger, dass ein Ritualmord geschehen sei. Allerdings beinhaltete sie die Feststellung, dass nach den Worten Christi den Kindern das Himmelreich gehöre und Simon daraufhin ein eigener Festritus zugewiesen wurde. Daneben ist die Bulle aus dem Grund besonders, da es sich um das erste päpstliche Dokument der christlichen Kirche handelt, in welchem Ritualmordbeschuldigungen gegen Juden anerkannt worden waren. Nach der offiziellen Erlaubnis des Simon-Kultes fand letztlich eine erneute Wendung der Ereignisse statt.1 Dadurch, dass das Verbot, seine Bilder und die generelle Verbreitung des Prozesses aufgehoben wurde und sein Name in der Messe erwähnt werden durfte, erlangte der gesamte Prozess erneut unter anderem durch Gebet und Liturgie große Aufmerksamkeit. Gerade musikalische Formen in Messen drangen in das Leben der Menschen ein.2 In zahlreichen Stundengebeten fand eine massive Dramatisierung statt, indem der Fall um das Kind Simon immer wieder thematisiert wurde. Gerade die unaufhörliche Verbreitung bereits bestehender Stereotype wurden durch das Medium fortgetragen. So hieß es beispielsweise: „Der verbrecherische Jude schöpft das ganze unschuldige Blut“, der „[u]ngeheure Feind“3 der christlichen Gesellschaft. Die Aufnahme in das Martyrologium und die Auswirkungen dessen waren also alles andere als eine Nebensächlichkeit, da sich das Geschehene fest in die Riten der römisch-katholischen Kirche eingrub und somit in das ohnehin schon antisemitische Gedankengut vieler Christ*innen. Eine Indoktrinierung, die bis heute anhält.

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