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„Sensationell!“ Berichterstattung zum Xantener Fall

Die Presse spielte eine dramatische Rolle im Fall Buschhoff. Sie beeinflusste nicht nur die öffentliche Meinung, sondern führte auch zu drastischen Ausschreitungen in Xanten, die die jüdische Bevölkerung nachhaltig beeinträchtigte. Dabei war Hauptakteur und Brandbeschleuniger die lokale Presse, die direkt aus dem Ort Informationen – wenn auch teilweise falsche – veröffentlichte. Einige ihrer Halbwahrheiten wurden von der nationalen Presse aufgenommen. So breitete sich das mediale Feuer im Reich aus, bis es letztendlich nicht mehr einzudämmen war. Es überschritt die Grenzen des Reiches, denn die ausländische Presse berichtete nun ebenfalls über den Fall.
Auf lokaler Ebene ist der Bote für Stadt und Land ein wichtiges Medium zur Verbreitung der antisemitischen Hetze. Diese artete teilweise so stark aus, dass das Leben in Xanten für die jüdische Bevölkerung immer bedrohlicher wurde. Die nationale Presse nahm in einigen Fällen nur allzu gern die judenfeindliche Grundhaltung auf und verbreitete die Falschinformationen reichsweit.1
Über die nationale Presse, insbesondere durch die Germania und die Kreuzzeitung, erreichte die Propaganda der Antisemiten weite Kreise der Bevölkerung. So weit, dass der Xantener Knabenmord im ganzen Reich in aller Munde war und der Unmut gegen die Juden anwuchs. Volksversammlungen, sogenannte Entrüstungsversammlungen deutscher Männer wurden überall im Reich abgehalten, wodurch der Fall Buschhoff bis zum Abgeordnetenhaus getragen wurde.2
Halbwissen, Gerüchte und Vorurteile wurden bis ins Ausland getragen und zum Beispiel von der niederländischen Lokalzeitung De Echo het Land van Cuijk und der römisch-katholischen Zeitung Le Croix in Frankreich übernommen und verbreitet, ohne diese vorher zu prüfen.3