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Das Echo der Presse

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Aus dem Gerichtssaal

Aus dem Gerichtssaal drang das Geschehen vor Ort in alle Welt, denn sogar Journalisten aus dem Ausland berichteten intensiv über den Prozess: „Vertreter der Presse hatten sich in endloser Zahl aus aller Herren Länder gemeldet, aber nur 16 von ihnen konnte bei dem beschränkten Raume ein besonderer Platz zugestanden werden.“1 Aufgrund dieser enormen Anteilnahme war die Gerichtsverhandlung vor allem auch ein Medienprozess, der das riesige öffentliche Interesse befriedigen sollte. Daraus ergibt sich folgende Frage: Wie gestaltete sich die Besetzung des Medienereignisses im Gerichtssaal? Als Hauptbeteiligte des Verfahrens fungierten: Landgerichtsdirektor Kluth als Vorsitzender, die Landgerichtsräte Grütering und Stickers als Beisitzer, Landgerichtsrat König als Ersatzrichter. Die öffentlichen Ankläger waren Erster Staatsanwalt Baumgard aus Kleve und Oberstaatsanwalt Hamm aus Köln. Zwölf Geschworene sowie zwei Ergänzungsgeschworene waren für die Urteilsfindung zuständig. Die Verteidigung des Angeklagten Adolf Buschhoff wurde von gleich drei Rechtsanwälten übernommen: Stapper aus Düsseldorf, Gammersbach aus Köln sowie Fleischhauer aus Kleve, dem Ort des Geschehens selbst.
Gemeinsam verhandelten alle Beteiligten einen Mammutprozess, bei dem in nur zehn Verhandlungstagen insgesamt 164 Zeugen vernommen wurden. Dies war nötig gewesen, weil kaum belastbare Beweise zur Verfügung standen, die zur uneingeschränkten Überführung eines Täters hätten führen können. Es gab lediglich einige Gutachten und Berichte, die aber höchstens Indizien liefern konnten, wie etwa das Ortsbesichtigungsprotokoll, das Obduktionsprotokoll und den Bericht des Kriminalkommissars Wolff. Hingegen konnte dem Angeklagten ein lückenloses Alibi nachgewiesen werden, sodass auch das Urteil der Geschworenen dementsprechend ausfiel: Am 14. Juli 1892 wurde Adolf Wolff Buschhoff freigesprochen und noch am selben Tag aus der Haft entlassen.2 Nun, wie reagierte die Öffentlichkeit auf dieses Urteil?

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