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Der Bürgermeister greift ein

Kurz nach der Verhaftung Buschhoffs und dem Aufkommen des Ritualmordvorwurfs wurde die Lage für die in Xanten lebenden Juden gefährlich. Schon am 12. Juli 1891, also etwa zwei Wochen nach Auffinden der Leiche, kam es zu ersten antisemitischen Ausschreitungen; dabei wurden vereinzelt die Häuser und Geschäfte von Juden mit Steinen beworfen. Auch vor Beschimpfungen und Misshandlungen auf offener Straße konnten sich die Juden in Xanten nicht schützen. Mit einer Bekanntmachung erinnerte Bürgermeister Gerhard Schleß an die strafrechtlichen Folgen der Ausschreitungen und hoffte, diesen so entgegenwirken zu können. Letztendlich wurden nur neun von den an diesem Tag zahlreich festgenommenen Bürgern zu einer Geldstrafe verurteilt. Leider blieb der 12. Juli nicht der einzige Tag, an dem es zu Ausschreitungen kam, denn in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli wurde das Haus der Familie Buschhoff mit dem Wort “Mörderhaus” beschrieben.1 Danach warnte der Bürgermeister abermals vor den Folgen und strafrechtlicher Verfolgung. Um die Täter zur Rechenschaft ziehen zu können, setzte Schleß sogar eine Belohnung aus.
Welche Priorität die Klärung des “Knabenmordes” erlangt hatte, belegt die Zustimmung des Regierungspräsidenten von Düsseldorf für das Aussetzen einer Belohnung auf die Ergreifung des Täters. Wie auch schon der Bürgermeister vor ihm, erhoffte man sich mit dieser Vorkehrung Fortschritte zu erzielen. Da es vermehrt zu Ausschreitungen kam und die jüdische Bevölkerung Xantens auch noch nach dem Freispruch Buschhoffs unter ihnen litt, ist es fraglich, ob die Bekanntmachungen des Bürgermeisters überhaupt ihren Zweck erfüllt haben.

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