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Lokale Presse als Brandbeschleuniger

Wie so häufig, hatte die Presse einen großen Anteil an der Stimmung innerhalb der Gesellschaft. Im Xantener Fall diente die lokale Presse als Initiator für spätere antisemitische Agitationen auf landesweiter Ebene.
Zu Beginn gab es aber durchaus neutrale, teilweise sogar begütigende Berichterstattungen, welche vor allem kurz nach dem Bekanntwerden des abscheulichen Verbrechens in den Zeitungen abgedruckt wurden.1 Jedoch änderte sich dies schnell, als der Inhalt des Leichenschau-Protokolls des in Xanten hochangesehenen Arztes Dr. Steiner bekannt wurde. Ein ermordetes Kind, das fehlende Blut und der jüdische Metzger, der in direkter Nähe zum Fundort der Leiche wohnte – das alles schien die Fantasien der Bevölkerung anzuregen. Schnell wurden aus Gerüchten Fakten oder Dinge wurden erfunden, um gewissen Begebenheiten eine ihr nicht zukommende Wichtigkeit zuzuschreiben.
Ein lokales Blatt aus Xanten griff diese Halbwahrheiten auf und verbreitete sie als Tatsachen. Hierbei handelt es sich um den Boten für Stadt und Land. Er war das beliebteste Blatt in der kleinen Stadt am Niederrhein. Immerhin hatten von den etwas über 3000 Einwohnern 1945 ein Abonnement beim Boten.2 Dieser war somit eine wichtige Informationsquelle für die Xantener Bevölkerung. Die Redakteure kamen zum größten Teil aus der katholischen Geistlichkeit und galten schon vor der Blutbeschuldigung gegen Buschhoff als antijüdisch gesinnt, was diverse Artikel aus der Zeit vor 1891 eindrücklich zeigen. So wurde im Boten ein Vorfall aus dem Jahre 1880 aus Berlin aufgegriffen, wonach ein jüdischer Mitbürger in einem Streitgespräch einem Lehrer eine Ohrfeige gegeben haben soll. Voller Empörung schrieb die Xantener Lokalzeitung am 20.11.1880: “Die Juden, welche in verhältnißmäßig kurzer Zeit durch das Geld der Christen so enorm sich bereichert (…) haben, thäten wahrhaftig klug, sich nicht so frech zu geberden.”3
Im Verlaufe der Jahre 1891/92 verarbeitete der Bote jedwedes Gerücht gegen Buschhoff und gab seinen antisemitischen Grundtenor nicht auf. Die Falschinformationen aus Xanten wurden nur allzu gern von den großen judenfeindlichen Tagesblättern des Reiches aufgenommen und verwertet.

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