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Das fehlende Blut am Ort des Schreckens

Die Scheune, in welcher der kleine Knabe Johann Hegmann seinen letzten Atemzug getätigt hat, war kurz nach dem Bekanntwerden der Tat ein Anlaufpunkt für Schaulustige, die wissen wollten, was dort nur geschehen sein mochte. Immerhin eilte selbst der Bürgermeister herbei. Es musste also etwas von Bedeutung sein! Der aus Xanten stammende Arzt Dr. Steiner unternahm unter den wachsamen Augen von Polizeidiener Schloer eine erste Leichenschau und hielt fest, dass die Blutmenge nicht der entspreche, welche eigentlich hätte vorgefunden werden müssen. Die Menge am Tatort gleiche eher einer Nachblutung aus dem dreizehn Zentimeter langen Schnitt am Halse des Jungen. Der Rest wäre nicht auffindbar und würde eher darauf hindeuten, dass der Junge an einem anderen Ort sein Leben verlor. Die verheerende Aussage Steiners, dass ein beträchtliches Volumen vom Blute fehle, war ein elementarer Baustein des Ritualmordvorwurfs gegen Buschhoff.
Ein späteres Gutachten des Kreisphysikus Dr. Bauer konstatierte hingegen, dass die Aussagen seines Kollegen aus Xanten nicht der Wahrheit entsprechen konnten. In seinem Gutachten vom 15. Juli 1891 führte Bauer auf, dass das fehlende Blut zum Teil in der Kleidung und in den Boden gesickert sein musste und es auch offensichtlich Hinweise für diese Erklärung gab, die sein Kollege Dr. Steiner übersehen hatte. Nichtsdestotrotz war der Schaden schon angerichtet. Der in der Stadt am Niederrhein hoch angesehene Mediziner Steiner hatte durch seine Aussage über das fehlende Blut Tür und Tor für Spekulationen geöffnet. Diese wurden nur allzu gern von der antisemitischen Presse benutzt, um damit gegen das Judentum als Ganzes zu hetzen.

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