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Aus dem Gerichtssaal

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Das Echo der Presse

Dem Angeklagten Adolf Wolff Buschhoff konnte ein lückenloses Alibi ausgestellt werden, sodass er am 14. Juli 1892 vor dem Schwurgericht zu Kleve freigesprochen und noch am gleichen Tage aus der Haftanstalt entlassen wurde. Die erste Reaktion auf dieses Urteil ließ nicht lange auf sich warten: Das Publikum im Gerichtssaal leistete nämlich prompt tosenden Beifall und rief „Bravo“.1 Darüber hinaus fand der Freispruch in der gesamten deutschen Öffentlichkeit sowie auf internationaler Ebene Beachtung, aber nicht aber ohne zu heftigen Auseinandersetzungen zu führen.
Das Echo zum Prozess in der Presse gestaltete sich dementsprechend vielfältig. Es lässt sich grob in zwei Hauptströmungen einteilen: Einer konservativ-judenfeindlichen Richtung, welche sich uneinsichtig zeigte und mit allen Mitteln versuchte, das Ergebnis und den Verlauf der Gerichtsverhandlung zu diskreditieren, standen liberale, jüdische und regierungstreue Zeitungen gegenüber, welche überwiegend sachlich berichteten. Die Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus aus Berlin sowie die in Wien erscheinende Selbst-Emancipation – Organ der jüdisch-Nationalen zählten zum Beispiel zur jüdischen Berichterstattung. Erstere Zeitung veröffentlichte am 17. Juli 1892 einen Bericht über Prozess und Freispruch, in dem sie sich auch kritisch gegenüber der eigenen Klientel äußerte. Sie wies zudem darauf hin, dass Teile der Öffentlichkeit nicht unbedingt der Urteilsfindung des Gerichts folgen und weiterhin antisemitisches Gedankengut hegen würden. Solch ein Gedankengut spiegelte sich auch in einem Artikel wider, den das Klever Kreisblatt kurz nach Beendigung der Gerichtsverhandlung veröffentlichte. Dort wird klar ersichtlich, wie stark die Einwände von antisemitischer Seite gewesen sein müssen. Eine weitaus nüchternere und äußerst detaillierte Berichterstattung über den Prozess lieferte der Journalist Hugo Friedländer. Im Vorwort zu seinem Bericht formuliert er für sich selbst den hohen Anspruch, neutral und wahrheitsgemäß über den Prozess zu berichten.
Das Echo der Presse war insgesamt ein vielschichtiges, denn aus jeder ideologischen Richtung kamen Beiträge.

Exponate zum Thema

Eine Zeitzeugin erinnert sich - Interview mit Frau Thyssen, die zur Zeit des Knabenmordes, als Kind, in Xanten gelebt hat. Sie berichtet von Adolf Buschhoff und glaubt nicht an seine Schuld. Quelle: Digitalisat einer Tonbandaufnahme vermutlich um 1960. Stadtarchiv Xanten: