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Die „Buschhoff-Affäre“ im Spiegel der Zeit

Adolf Buschhoff wurde von den Geschworenen am 4. Juli 1892 vor dem Schwurgericht in Kleve freigesprochen, jedoch nicht von der Bevölkerung. Man verfolgte die Familie und zündete ihr Haus an. Noch immer galt Buschhoff in Xanten als der jüdische Kindermörder von Johann Hegmann. Für ihn gab es keine andere Möglichkeit als eine, durch Spendengelder finanzierte, Flucht nach Köln, wo er in Frieden alt werden konnte und nach seinem Tod am 8. Juni 1912 auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Deutz neben seiner Frau begraben wurde. Auf dem Grabstein stand unter seinem Namen: „Ein Märtyrer seines Glaubens. Der Mann, der sein Joch trug, einsam saß er und verstummt, er heiligte seinen Schöpfer vor der Welt“1.
Noch während des Zweiten Weltkrieges wurde der Fall um Johann Hegmann und Adolf Buschhoff als Instrument für antisemitische Propaganda missbraucht, wie zum Beispiel in einem Kriegs-Heimatkalender aus dem Jahre 1943. Auch antisemitische Zeitungen wie Der Stürmer erwähnen den Xantener Knabenmord, etwa in einer Statistik in der Ritualmord-Sonderausgabe vom Mai 1934. In dieser Ausgabe werden auch Teile des Talmud, als heiliger Schrift des Judentums, zitiert und – mit antisemitischer Zielsetzung – falsch übersetzt.